RUSSLAND: Ukrainischer Zivilgefangener Oleksandr Borysov gefoltert und verurteilt
Quelle: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), https://www.igfm.de/oleksandr-borysov/
Oleksandr Borysov arbeitete im Güter- und Personenverkehr und wurde wegen seiner proukrainischen Haltung gefangen genommen. Er half Ukrainern, die von Militanten der sogenannten Volksrepublik Luhansk bedroht wurden, unter Einsatz seines Lebens, in das von der Ukraine kontrollierte Gebiet zu fliehen. Weil Oleksandr sich weigert, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen, ist er körperlicher und seelischer Folter ausgesetzt.
Am 6. Januar 2021 wurde Oleksandr in der Nähe seines Hauses in Stachanow, einer vorübergehend von Russland besetzten Stadt in der Region Luhansk, entführt. Angehörige des sogenannten Ministeriums für Staatssicherheit der Volksrepublik Luhansk waren für die Entführung verantwortlich.
Oleksandr wurde des angeblichen Hochverrats beschuldigt, da er einen „fremden" Staat bei Aktivitäten unterstützt haben soll, die gegen die Sicherheit der sogenannten Volksrepublik Luhansk gerichtet waren.
Während des Verhörs wurde Oleksandr mit Elektroschocks gefoltert, indem Elektroden an seinen Ohren befestigt wurden und am gesamten Körper geschlagen. Man hielt Oleksandr unter völlig unhygienischen Bedingungen fest, in den ersten zwei Monaten nach seiner Entführung hatte er keine Möglichkeit sich zu waschen oder umzuziehen. Hygieneartikel wurden ihm verwehrt und eine Zeit lang schlief er auf dem Zementboden.
Aufgrund der andauernden Folter und den Drohungen gegen seine Angehörigen von Vertretern des sogenannten Ministeriums für Staatssicherheit versuchte Oleksandr sich das Leben zu nehmen. Er hat Schnittwunden an beiden Händen.
Nach einem willkürlichen Scheinprozess wurde Oleksandr am 21. Februar 2021 zu 14 Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt.
Seit dem 9. Februar 2025 wird Oleksandr unrechtmäßig in der Strafkolonie Nr. 1 der Stadt Jakutsk in der Republik Sacha (Jakutien) der Russischen Föderation festgehalten. Seine Familie hat seitdem keine Informationen mehr über Oleksandr bekommen.
Oleksandrs Gesundheitszustand ist schlecht: leidet an chronischen Immunerkrankungen, die sich negativ auf seinen Stoffwechsel auswirken und er benötigt ständige medizinische Betreuung. Er hat Diabetes und ist seit seiner Kindheit übergewichtig. In Folge seiner Entführung hat Olesandr keinen Zugang mehr zu den benötigten Medikamenten. Vor seiner Gefangennahme war eine Operation zur Entfernung von Krampfadern im Februar 2021 geplant. Aufgrund der Kopfverletzungen, die er während der Folter in russischer Gefangenschaft erlitten hat, leidet er unter sehr hohem Blutdruck und starken Kopfschmerzen. Zudem klagt er über Schmerzen im Herzbereich und Zahnschmerzen. Er hat stark abgenommen und ist komplett ergraut.
>>> Bitte helfen Sie mit, die Freilassung von Oleksandr Borysov zu erreichen, indem Sie das nachfolgende Schreiben an die genannten Stellen schicken. Auf Grund seiner persönlichen Kontakte zum russischen Präsidenten Putin sollte eine Kopie diesmal auch an Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder geschickt werden.
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Herrn Botschafter
der Russischen Föderation
Unter den Linden 63-65
D-10117 Berlin
E-Mail: info@russische-botschaft.de
Sehr geehrter Herr Botschafter,
ich schreibe Ihnen, um Sie auf die willkürliche Gefangenschaft des ukrainischen Zivilisten Oleksandr Borysov (geb. 22. August 1984) aufmerksam zu machen, der am 6. Januar 2021, in der Nähe seines Hauses in Stachanow, von Angehörigen des sogenannten Ministeriums für Staatssicherheit der Volksrepublik Luhansk verschleppt wurde. Seit dem 9. Februar 2025 wird Oleksandr unrechtmäßig in der Strafkolonie Nr. 1 der Stadt Jakutsk in der Republik Sacha (Jakutien) der Russischen Föderation festgehalten.
Ich bin zutiefst besorgt über Berichte zu willkürlichen Festnahmen, Misshandlungen und Verstößen gegen rechtsstaatliche Mindeststandards in von Russland kontrollierten Haftanstalten. Oleksandr Borysov ist Zivilist, der ohne legitime rechtliche Grundlage festgehalten und wegen einer nicht strafbaren zivilen Handlung verfolgt wird. Die Rechte und Freiheiten der Betroffenen müssen vollumfänglich respektiert und geschützt werden.
Ich appelliere an Sie, sich für eine rechtmäßige und humane Behandlung aller zivilen Gefangenen einzusetzen, insbesondere der verschleppten Ukrainerinnen und Ukrainer. Bitte teilen Sie den aktuellen Aufenthaltsort sowie den Verfahrensstand von Oleksandr Borysov mit, ermöglichen Sie ihm umgehend den Kontakt zu seiner Familie, stellen Sie unabhängigen Rechtsbeistand sowie notwendige medizinische Versorgung sicher (einschließlich Zugang zu erforderlichen Medikamenten), und überprüfen Sie die Rechtmäßigkeit seiner Inhaftierung. Ohne eine legitime Rechtsgrundlage fordere ich seine unverzügliche Freilassung.
Hochachtungsvoll
KOPIEN:
>>> Auswärtiges Amt, Werderscher Markt 1, D-10117 Berlin, E-Mail: buergerservice@diplo.de
>>> Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Dr. Lars Castellucci, E-Mail: menschenrechtsbeauftragter@diplo.de
>>> Deutscher Bundestag, Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Platz der Republik 1, D-11011 Berlin, E-Mail: menschenrechtsausschuss@bundestag.de
>>> Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder, E-Mail: info@gerhard-schroeder.de



