VIETNAM: Christlicher indigener Menschenrechtler von Thailand an Vietnam ausgeliefert
Quelle: Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter, www.acat-deutschland.de
Auf das Schicksal des christlichen vietnamesischen Menschenrechtsverteidigers Y Quynh Bdap hatten wir schon in der Vergangenheit hingewiesen.
Am 28. November 2025 haben ihn die Behörden Thailands, wie befürchtet, nach Vietnam ausgeliefert. Zwei Tage zuvor, am 26. November 2025, hatte das thailändische Berufungsgericht ein zweifelhaftes Urteil vom 30. September 2024 bestätigt. Darin war die Auslieferung für rechtmäßig erklärt worden, obwohl Y Quynh Bdap ein vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR anerkannter Flüchtling ist und in Vietnam vor seiner Ausreise ins thailändische Exil 2018 inhaftiert worden war
Das Berufungsgericht urteilte, es gebe kein reales Risiko, dass er in Vietnam gefoltert oder dem Verschwindenlassen unterworfen werden könnte. Das Gericht ignorierte damit die zahlreichen Berichte über Folter in Vietnam, insbesondere von ethnischen Minderheiten. Es verließ sich formal auf diplomatische Zusicherungen Vietnams, dass Y Quynh Bdap als Gefangener gemäß internationalen Standards behandelt würde.
Y Quynh Bdap war am 11. Juni 2024 von den thailändischen Behörden in der Hauptstadt Bangkok festgenommen und in Untersuchungshaft genommen worden, offenbar auf Veranlassung von Vietnam. Die thailändischen Behörden haben eine Überschreitung der Aufenthaltsdauer als Grund für seine Inhaftierung angegeben. Diese Überschreitung ging allerdings auf Versuche vietnamesischer Behörden zurück, Bdaps Aufenthaltsort in Thailand ausfindig zu machen. Er musste daher untertauchen.
Y Quynh Bdap, Mitbegründer der Organisation „Montagnards Stand for Justice“ (MSFJ), setzte sich vehement für die religiösen Freiheiten und die Rechte der indigenen Minderheiten in Vietnam ein.
Im Januar 2024 war Bdap von den vietnamesischen Behörden in Abwesenheit unter dem Vorwurf des Terrorismus gemäß Artikel 299 des vietnamesischen Strafgesetzbuchs zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Die Anklage bezog sich auf seine angebliche Beteiligung an Anschlägen auf Regierungsbüros in der Provinz Dak Lak im Juni 2023, bei denen neun Menschen getötet worden waren. In einer Videoerklärung beteuerte Bdap seine Unschuld und bestritt jede Beteiligung an den Anschlägen.
Die Regierung Vietnams hatte die Auslieferung des Gefangenen aus Thailand beantragt.
Seit der Auslieferung hat Vietnam über Wochen keine Informationen zu Bdaps Verbleib oder Gesundheit mitgeteilt. Inzwischen wurde ein Video veröffentlicht, in dem Y Quynh Bdap ein Schuldeingeständnis vorträgt. Es ist anzunehmen, dass er sich nicht freiwillig entsprechend geäußert hat. Auch seine Schwester kommt – eventuell unter Druck – zu Wort und erklärt, dass er in der Haft gut behandelt werde.
Im Dezember 2025 haben zahlreiche UN-Sonderberichterstatter die Auslieferung und den Entzug seiner Freiheit verurteilt, Y Quynh Bdaps Schutz gefordert und sein gewaltfreies Engagement für die Menschenrechte hervorgehoben: https://www.ohchr.org/en/press-releases/2025/12/un-experts-alarmed-y-quynh-bdaps-extradition-thailand-viet-nam
>>> Bitte helfen Sie mit, Schutz und Freilassung für Y Quynh Bdap zu erreichen, indem Sie das nachfolgende Schreiben kurzfristig an die genannten Stellen schicken.
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Staatspräsident
Luong Cuong
c/o: Botschaft der Sozialistischen Republik Vietnam
Elsenstraße 3
D-12435 Berlin
E-Mail: info@vietnambotschaft.org
Exzellenz,
mit Entsetzen habe ich von der Auslieferung des Menschenrechtsverteidigers Y Quynh Bdap aus Thailand nach Vietnam erfahren. Y Quynh Bdap, ein vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR anerkannter Flüchtling und Mitbegründer der Organisation „Montagnards Stand for Justice“ (MSFJ), setzt sich für Religionsfreiheit und Rechte indigener Minderheiten in Vietnam ein. Er war 2018 aus Vietnam nach Thailand geflohen.
Im Januar 2024 hatte ein vietnamesisches Gericht den Menschenrechtsverteidiger in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft unter dem Vorwurf des Terrorismus verurteilt.
Nach seiner Festnahme im Juni 2024 wurde Y Quynh Bdap am 28. November 2025 aus Thailand nach Vietnam ausgeliefert. Über Wochen machte Vietnam keine Angaben zu seinem Verbleib. Im Dezember 2025 haben mehrere UN-Sonderberichterstatterinnen und UN-Sonderberichterstatter die Auslieferung und den Entzug seiner Freiheit verurteilt, Y Quynh Bdaps Schutz gefordert und sein gewaltfreies Engagement für die Menschenrechte hervorgehoben.
Inzwischen wurde ein Video veröffentlicht, in dem Y Quynh Bdap ein Schuldeingeständnis vorträgt. Es ist äußerst fraglich, ob er sich freiwillig entsprechend geäußert hat.
Exzellenz, Vietnam muss Y Quynh Bdap freien und unüberwachten Zugang zu Personal ausländischer diplomatischer Vertretungen und internationaler Institutionen gewähren, um diesen Umstand zu klären. Andernfalls kann ein derartiges „Geständnis“ keinerlei Glaubwürdigkeit beanspruchen.
Ich bitte Sie daher um eine entsprechende Überprüfung der Umstände.
Zusätzlich appelliere ich an Sie,
> Y Quynh Bdap vor Folter und anderer grausamer Behandlung zu schützen;
> ihm freien Zugang zu Ärzten, Rechtsbeiständen und Familienangehörigen zu gewähren;
> sich für die Aufhebung des Gerichtsurteils gegen Y Quynh Bdap und seine sofortige und bedingungsloseFreilassung einzusetzen.
Hochachtungsvoll
KOPIEN:
>>> Auswärtiges Amt, Werderscher Markt 1, D-10117 Berlin, E-Mail: buergerservice@diplo.de
>>> Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Dr. Lars Castellucci, E-Mail: menschenrechtsbeauftragter@diplo.de
>>> Deutscher Bundestag, Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Platz der Republik 1, D-11011 Berlin, E-Mail: menschenrechtsausschuss@bundestag.de


