ARBEITSKREIS MENSCHENRECHTE (AKM)
◆ Working Group for Human Rights ◆

SUDAN: Menschenrechtsanwälte von Hinrichtung bedroht

Quelle: Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter, www.acat-deutschland.de

Der seit über 3 Jahren andauernde Bürgerkrieg im Sudan wird weiter mit unverminderter Härte geführt. Die Zivilbevölkerung ist brutalsten Übergriffen durch die Kriegsparteien ausgesetzt. 2025 schockierten Massaker der Rebellengruppe RSF. Doch auch die Regierungsseite verübt schwere Menschenrechtsverletzungen und geht systematisch gegen die Zivilgesellschaft vor. Zum anstehenden Welttag gegen die Todesstrafe am 10. Oktober möchte ACAT auf zwei von der Todesstrafe bedrohte Anwälte aufmerksam machen. Beiden werden „Verbrechen gegen den Staat und kriegsbezogene Verbrechen“ nach dem Strafgesetzbuch des Sudan von 1991 vorgeworfen.

Am 10. Mai 2025 wurde der sudanesische Anwalt und Menschenrechtsverteidiger Mohamed Izzeldin Abdelrahim Mohamed Salih von 5 bewaffneten Mitgliedern einer Untereinheit des Militärgeheimdienstes festgenommen. Die Beamten trugen laut Front Line Defenders (FLD) Zivilkleidung, zeigten keinen Haftbefehl und nannten keinen Grund für die Festnahme. In Haft und während der Verhöre hat der Gefangene Folter erlitten. Er wurde auf den Rücken geschlagen, was eine Bandscheibenverletzung zur Folge hatte, und mit Elektroschocks und Schlafentzug gefoltert. Über ein Jahr nach seiner Festnahme blieb Mohamed Izzeldin ohne Anklage. In dieser Zeit wurde ihm Zugang zu Angehörigen, Rechtsbeiständen und medizinischer Versorgung verweigert. In der Haft hat er Dengue-Fieber bekommen. Durch schlechte Ernährung hat sich sein Diabetes verschärft.

Am 27. Juli 2026 musste Mohamed Izzeldin vor dem Strafgericht in Port Sudan in einer ersten Anhörung erscheinen. Bei einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe. Eine zweite Anhörung war für den 18. August geplant. Ergebnisse sind noch nicht bekannt.



Mohamed Izzeldin setzte sich für Zugang zur Justiz und für den Schutz von Zivilpersonen im Krieg ein, besonders für Frauen und Kinder. Er vertrat Opfer vor nationalen und internationalen Gerichten und berichtete auf unterschiedlichen Ebenen über den Krieg. Er ist Mitglied im Notfall-Anwälte-Netzwerk und in der Demokratischen Anwälte Allianz. Dazu gehört das Dokumentieren von Menschenrechtsverletzungen.

Auch der bekannte Menschenrechtsanwalt Abubakr Mansour Abdela ist von Hinrichtung bedroht. Nach Kriegsbeginn 2023 hatte er an die Mitbewohner seiner Stadt kostenlos Medizin aus der pharmazeutischen Firma seines Bruders verteilt. Er engagierte sich auch für ein Ende des Krieges.

Wegen seiner gewaltlosen Menschenrechtsarbeit hatte ihn das Strafgericht der Stadt Singa am 5. Oktober 2025 in einem unfairen Berufungsprozess zum Tod durch Erhängen verurteilt. Eine öffentliche Erklärung blieb aus. Er war zuvor wegen angeblicher Unterstützung der RSF-Rebellen zu 20 Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Gerichtsverfahren war unfair. Die Verteidigung hatte keine Möglichkeit, an dem Prozess teilzunehmen.

>>> Bitte helfen Sie mit, die Freilassung dieser mutigen Menschenrechtler zu erreichen, indem Sie das nachfolgende Schreiben kurzfristig an die genannten Stellen schicken. Ob die Mail über jede der genannten E-Mail-Adressen durchgeht, ist nicht gewiss. Aus diesem Grunde ist es - wie immer - wichtig, dass Kopien Ihrer Mails auch an die Botschaft und die weiteren angegebenen Adressen (CC) geschickt werden.

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General Abdel Fattah Abdelrahman Burhan
Chairman of the Transitional Sovereignty Council
Republic of the Sudan
Khartoum, Sudan

E-Mail: info@moci.gov.sd


Your Excellency,

I am deeply concerned by reports regarding the detention of two lawyers and human rights defenders who are facing the death penalty. Both prisoners are accused of "crimes against the state and war-related crimes."

Mohamed Izzeldin Abdelrahim Mohamed Salih was arrested without a warrant on May 10, 2025. During his detention and interrogation, he was subjected to torture. Mohamed Izzeldin was held without charge for over a year; during this time, he was denied access to his family, legal counsel, and medical care. If convicted, he faces the death penalty.

Human rights lawyer Abubakr Mansour Abdela was sentenced to death by hanging by the Criminal Court in Singa on October 5, 2025, following an unfair appeal process. No public statement regarding the verdict was issued. He had previously been sentenced to 20 years in prison and a fine for allegedly supporting RSF rebels.
In light of these circumstances, I appeal to you to ensure that:

  • the prisoners are granted access to their families, lawyers, and medical care, and are protected against torture and inhumane treatment under all circumstances;
  • Mohamed Izzeldin is not sentenced to death, and Abubakr Mansour Abdela is protected from execution and his death sentence is overturned;
  • both human rights defenders are released from detention immediately, unconditionally, and permanently, and are able to continue their valuable work.

Respectfully,


COPIES:

>>> Botschaft der Republik Sudan, Katharinenstraße 17, D-10711 Berlin, E-Mail: ambassador@sudan-embassy.de

>>> Permanent Mission of the Republic of the Sudan to the UN, Office in Geneva, 53 Avenue Blanc (3rd floor), CH-1202 Geneva, SCHWEIZ, E-Mail: sudan@sudanmission.org

>>> Auswärtiges Amt, Werderscher Markt 1, D-10117 Berlin, E-Mail: buergerservice@diplo.de

>>> Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Dr. Lars Castellucci, E-Mail: menschenrechtsbeauftragter@diplo.de 



>>> Deutscher Bundestag, Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Platz der Republik 1, D-11011 Berlin, E-Mail: menschenrechtsausschuss@bundestag.de

TRANSLATION / ÜBERSETZUNG:

Mit großer Sorge vernehme ich Meldungen über die Inhaftierung zweier Rechtsanwälte und Menschenrechtsverteidiger, die von der Todesstrafe bedroht sind. Beiden Gefangenen werden „Verbrechen gegen den Staat und kriegsbezogene Verbrechen“ vorgeworfen.

Am 10. Mai 2025 wurde Mohamed Izzeldin Abdelrahim Mohamed Salih ohne Haftbefehl festgenommen. Während der Haft und Verhöre hat der Gefangene Folter erlitten. Über ein Jahr blieb Mohamed Izzeldin ohne Anklage. In dieser Zeit wurde ihm Zugang zu Angehörigen, Rechtsbeiständen und medizinischer Versorgung verweigert. Im Falle einer Verurteilung droht ihm die Todesstrafe.

Der Menschenrechtsanwalt Abubakr Mansour Abdela wurde am 5. Oktober 2025 vom Strafgericht in Singa in einem unfairen Berufungsprozess zum Tod durch Erhängen verurteilt. Eine öffentliche Erklärung blieb aus. Er war zuvor wegen angeblicher Unterstützung der RSF-Rebellen zu 20 Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden.

In Anbetracht dieser Umstände appelliere ich an Sie, sicherzustellen, dass:

  • die Gefangenen Zugang zu Angehörigen, Rechtsanwälten und ärztlicher Versorgung erhalten und unter allen Umständen vor Folter und unmenschlicher Behandlung geschützt werden;
  • Mohamed Izzeldin nicht zum Tode verurteilt wird und Abubakr Mansour Abdela vor der Hinrichtung geschützt und sein Todesurteil aufgehoben wird;
  • die beiden Menschenrechtsverteidiger unverzüglich, vorbehaltlos und dauerhaft aus der Gefangenschaft entlassen werden und ihrer wertvollen Arbeit nachgehen können.