ARBEITSKREIS MENSCHENRECHTE (AKM)
◆ Working Group for Human Rights ◆

RUSSLAND: Zeugen Jehovas gefesselt, entkleidet, geschlagen, wiederholt Elektroschocks ausgesetzt

Quellen: Forum 18 (Oslo), www.forum18.org/archive.php?article_id=3036; Arbeitskreis Religionsfreiheit, Menschenrechte, Verfolgte Christen der Evangelischen Allianz in Deutschland, https://akref.ead.de/akref-nachrichten/2026/maerz/22032026-russland-zeugen-jehovas-gefesselt-und-misshandelt/

Am 3. Februar attackierten Beamte des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB mehrere Zeugen Jehovas bei Razzien in ihren Wohnungen in Dimitrovgrad in der Region Uljanowsk. Mindestens zwei von ihnen wurden gefoltert. Danach wurden vier Personen von den Ermittlungsbehörden wegen der Durchführung oder Teilnahme an „Aktivitäten einer verbotenen extremistischen Organisation“ angeklagt, weil sie sich weiterhin an Zusammenkünften ihrer Gemeinschaft beteiligt hatten.

Einer der maskierten Beamten schlug die 57-jährige Zhanna Popova nieder, als sie zeitig am Morgen die Türe öffnete und verletzte sie am Knie. Ein Beamter des FSB drückte ihren Mann Igor Popov auf den Boden, schlug ihn auf den Rücken und wollte ihn anscheinend zwingen, das Passwort seines Computers preiszugeben. Nach der Durchsuchung nahmen ihn die Beamten mit in die örtliche Zentrale des FSB, wo er mit Handschellen gefesselt, ausgezogen, geschlagen und wiederholt Elektroschocks ausgesetzt wurde. Ein Ermittlungsbeamter zwang ihn dann, eine vorbereitete Erklärung zu unterschreiben, mit der er sich selbst belastete, und sich bereit zu erklären, mit den Ermittlungsbehörden zu kooperieren.

Das Ehepaar Popov reichte Beschwerden bei der Staatsanwaltschaft und anderen staatlichen Stellen ein, haben jedoch bisher keine Antwort erhalten, so die Rechtsanwälte der Zeugen Jehovas.

Am selben Morgen kam es zu einer Razzia und Durchsuchung des Hauses von Igor Balaschov, die den ganzen Tag andauerte. Die Ermittlungsbeamten des FSB begannen erst etwa zu Mitternacht mit seiner Befragung, nachdem sie ihm ca. 20 Stunden lang Nahrung, Wasser und die Medikamente, die er wegen seiner chronischen Erkrankungen benötigt, verweigert hatten. „Dies führte dazu, dass sein Blutdruck während der Befragung in die Höhe schoss, eine Gesichtshälfte taub wurde und er zu zittern begann“, berichtete die European Association of Jehovah’s Witnesses, die die Interessen der Zeugen Jehovas in Europa vertritt.

Seit dem Verbot der Zeugen Jehovas durch den Obersten Gerichtshof der Russischen Föderation im Jahr 2017 kam es zur Strafverfolgung von fast 900 Zeugen Jehovas, weil sie sich weiterhin zum Gebet und Bibelstudium versammelt hatten. Die Gerichte verhängen immer wieder langjährige Kerkerstrafen. Am 13. März wurden Roman Makhnyov und Dmitry Kuzin zu jeweils 6 Jahren und 6 Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

>>> Bitte helfen Sie mit, dass Zeugen Jehovas in Russland ihren Glauben friedlich praktizieren können, indem Sie das nachfolgende Schreiben kurzfristig an die genannten Stellen schicken.

+ + +

Herrn Generalstaatsanwalt
Igor 
Viktorovich Krasnov
c/o: Botschaft der Russischen Föderation

Unter den Linden 63-65

D-10117 Berlin

E-Mail: info@russische-botschaft.de


Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

Berichten zufolge überfielen am 3. Februar 2026 Angehörige des FSB mindestens vier Haushalte der Zeugen Jehovas in Dimitrovgrad im Gebiet Uljanowsk. Maskierte Offiziere schlugen Zhanna Popova nieder, als sie die Tür öffnete. Ein Beamter schlug ihrem 60-jährigen Ehemann Igor Popov in den Rücken und "verdrehte gewaltsam seinen Hals", offenbar um ihn dazu zu bringen, sein Computerpasswort aufzugeben.
Wie weiter berichtet wurde, soll Popov in der örtlichen FSB-Zentrale mit Handschellen gefesselt, ausgezogen, geschlagen und wiederholt Elektroschocks ausgesetzt worden sein. Ein Ermittler soll ihn darüber hinaus noch gezwungen haben,  eine vorbereitete Aussage zu unterzeichnen, die ihn selbst belastet.

Dabei praktizieren die Zeugen Jehovas nur friedlich ihren Glauben. Ich frage Sie daher:

> Warum wurde es für notwendig gehalten, körperliche Gewalt gegen die Zeugen Jehovas anzuwenden?
> Warum haben  die Ermittler während des Verhörs Elektroschocker eingesetzt?
> Wurde das beteiligte Personal vom Dienst suspendiert oder ist deren Verhalten offiziell untersucht worden?

Ich möchte Sie bitten, sich dafür einzusetzen, dass die Angehörigen der Zeugen Jehovas friedlich ihren Glauben ausüben können. Sie nehmen dabei nur das international verbriefte Menschenrecht auf Religionsfreiheit für sich in Anspruch.

Hochachtungsvoll



KOPIEN:

>>> Auswärtiges Amt, Werderscher Markt 1, D-10117 Berlin, E-Mail: buergerservice@diplo.de
>>> Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Dr. Lars Castellucci, E-Mail: menschenrechtsbeauftragter@diplo.de
>>> Deutscher Bundestag, Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Platz der Republik 1, D-11011 Berlin, E-Mail: menschenrechtsausschuss@bundestag.de