ARBEITSKREIS MENSCHENRECHTE (AKM)
◆ Working Group for Human Rights ◆

INDIEN: Sieben Christen zu jeweils 5 Jahren Haft verurteilt

Quellen: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), https://www.igfm.de/chhot-singh-dhurve/, Evangelische Nachrichtenagentur IDEA, www.idea.de

Zu „Gefangenen des Monats September 2026“ haben die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur IDEA den evangelischen Pastor Chhot Singh Dhurve und weitere Christen in Indien benannt. Die beiden Organisationen rufen dazu auf, sich für die Betroffenen einzusetzen.

Am 12. Juni 2026 verurteilte ein Richter den 49-Jährigen Pastor und sechs andere Christen unter anderem wegen Verstoßes gegen das Antibekehrungsgesetz im Bundesstaat Madhya Pradesh zu jeweils fünf Jahren Haft. Zusätzlich erhielten sie jeweils noch eine Geldstrafe von umgerechnet mehr als 900 Euro.

Die weiteren Verurteilten sind:

  • Sanjay Markam,
  • Santosh Paraste,
  • Amit Kumar,
  • Pramod Singh,
  • Karan Singh Maravi und
  • Jeet Singh. 

Sie sind zwischen 20 und 48 Jahre alt.


Im Bundesstaat Madhya Pradesh regiert seit März 2020 die hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (Indische Volkspartei). Dort gilt seit 2021 ein strenges Gesetz gegen Bekehrungen, auf dessen Grundlage bereits viele Angehörige der christlichen Minderheit inhaftiert wurden.

Die sieben Christen kamen erstmals nach einer Auseinandersetzung am Rande eines Familienfestes am 27. April 2024 in Haft. Ein Cousin des Gastgebers hatte die Feier als ungeladener Gast gestört und die dort versammelten Christen beschuldigt, Einheimische zu verleiten, zum Christentum überzutreten. Schließlich rückte ein Mob von mehr als 100 Menschen an und umzingelte das Haus, wo das Fest stattfand. Als die Polizei zum Schutz der bedrängten Christen gerufen wurde, kam sie zwar, nahm aber die Betroffenen fest. Sie kamen alle Anfang Mai 2024 nach Hinterlegung einer Kaution vorübergehend frei. Gegen die Urteile haben die Christen Berufung eingelegt.

Von den etwa 1,4 Milliarden Einwohnern Indiens sind 72 Prozent Hindus, 14 Prozent Muslime und fünf Prozent Christen.

>>> Bitte helfen Sie mit, die Aufhebung des Urteils und Religionsfreiheit für die christliche Minderheit zu erreichen, indem Sie das nachfolgende Schreiben kurzfristig an die genannten Stellen schicken.

+ + +

Her Excellency

Smt. Droupadi Murmu

President of India

Rashtrapati Bhavan

President’s Estate, Raisina Hills

New Delhi – 110004

India

E-Mail: secy.president@rb.nic.in


Your Excellency,

I am writing to you out of concern for seven imprisoned Christians and their families. They are the following men, aged between 20 and 49: Pastor Chhot Singh Dhurve, Sanjay Markam, Santosh Paraste, Amit Kumar, Pramod Singh, Karan Singh Maravi, and Jeet Singh. On June 12, 2026, each of them was sentenced to five years in prison in Dindori district, Madhya Pradesh, for violating the so-called anti-conversion law. In addition, they were ordered to pay a fine equivalent to more than €900.

The Christians came to the attention of the authorities following a dispute on the sidelines of a family celebration on April 27, 2024. They are accused of promoting the Christian faith among the guests or even pressuring them to convert. In particular, the host disputes this account, while the person who filed the complaint was not even invited to the event. There is considerable reason to believe that, in this case, the law was misused as an instrument of personal revenge and that the court failed to take this into consideration.

Unfortunately, the equality enshrined in the Indian Constitution has still not been fully realized, particularly in rural areas. We therefore urge you to do everything within your power to ensure the release of these Christians, for whom an unaffordable bail amount has also been set.
Yours faithfully,


COPIES:

>>>  Botschaft der Republik Indien, Tiergartenstraße 17, D-10785 Berlin, E-Mail: amb.berlin@mea.gov.in, hoc.berlin@mea.gov.in

>>> Auswärtiges Amt, Werderscher Markt 1, D-10117 Berlin, E-Mail: buergerservice@diplo.de 



>>> Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Dr. Lars Castellucci, E-Mail: menschenrechtsbeauftragter@diplo.de   



>>> Deutscher Bundestag, Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Platz der Republik 1, D-11011 Berlin, E-Mail: menschenrechtsausschuss@bundestag.de


TRANSLATION / ÜBERSETZUNG

Ich wende mich in Sorge um sieben inhaftierte Christen und ihre Angehörigen an Sie. Es handelt sich um die folgenden Männer, die zwischen 20 und 49 Jahre alt sind: Pastor Chhot Singh Dhurve, Sanjay Markam, Santosh Paraste, Amit Kumar, Pramod Singh, Karan Singh Maravi und Jeet Singh. Gegen sie wurde am 12. Juni 2026 in Madhya Pradesh im Bezirk Dindori jeweils eine Haftstrafe von fünf Jahren wegen Verstoßes gegen das sogenannte Anti-Konversionsgesetz verhängt. Zusätzlich wurden sie zu einer Geldstrafe von umgerechnet mehr als 900 Euro verurteilt.

Die Christen gerieten nach einer Auseinandersetzung am Rande eines Familienfestes am 27. April 2024 ins Visier der Behörden. Ihnen wird vorgeworfen, unter den Gästen für den christlichen Glauben geworben oder sie sogar zum Religionswechsel gedrängt zu haben. Insbesondere der Gastgeber widerspricht dieser Darstellung, während die Person, die Anzeige erstattete, dort gar nicht eingeladen war. Es spricht viel dafür, dass in diesem Fall das Gesetz für einen persönlichen Racheakt missbraucht wurde und das Gericht dies nicht berücksichtigt hat.

Die Gleichberechtigung, die in der indischen Verfassung festgeschrieben ist, ist leider gerade in ländlichen Regionen noch immer nicht verwirklicht. Wir bitten Sie, alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, damit die Christen, für die übrigens eine unerschwingliche Kaution festgelegt wurde, freigelassen werden.