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Eine Prognose - Von Hamed Abdel-Samad, Droemer-Verlag, München 2010, Preis 18,00 EUR, 240 Seiten, Paperback

Eine düstere Zukunft prognostiziert Hamed Abdel-Samad den islamischen Ländern, die ein Glaube eint, aus dem sie ein seit Jahrhunderten überholtes Menschen- und Gesellschaftsbild ableiten.  Das Festhalten an der Vergangenheit und das Behindern jeglichen Versuchs der Veränderung durch die islamische Orthodoxie  und der Machtbesessenheit der Herrschenden werden dabei als die Hauptursachen benannt. 

Abdel-Hamad ist nicht irgendwer: Der Sohn eines sunnitischen Imams wurde 1972 bei Kairo geboren, studierte Englisch, Französisch, Japanisch und Politik. Er arbeitete für die UNESCO, am Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität Erfurt und am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München.  Von Bundesinnenminister Thomas de Maizière wurde er als Mitglied der 2. Deutschen Islamkonferenz berufen. (Bild:

Abdel-Hamad tut in seinem Buch das, was nicht nur er im Umgang mit dem Islam und seinen Strömungen allgemein vermisst: Er hinterfragt alles und stellt selbst zentrale islamische Glaubensinhalte in Frage - ganz nach der von ihm geforderten islamischen Aufklärung. Er verweist dabei auf die Blütezeit des Islam zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert, in der das Verfassen von häretischen Texten an der Tagesordnung gewesen sei. „Dass Alkohol getrunken wurde und Frauen das Kopftuch nicht trugen, war keine Seltenheit.  (…) Muslime fühlten sich so selbstsicher, dass antiislamische Polemiken von Christen und Juden toleriert wurden. Der Kalif von Bagdad organisierte sogar regelmäßig einen Polemik-Wettbewerb, in dem Muslime, Juden und Christen in poetischen Polemiken die Religionen der anderen kritisierten.“ Abdel-Hamad erkennt daraus einen Zusammenhang zwischen dem Selbstbewusstsein, der Tolerierung von persönlichen Freiheiten und dem kulturellen Boom, den der Islam im Mittelalter genossen habe. „Oder man kann im Umkehrschluss das Spüren der eigenen Stärke als Grund für diese Gelassenheit deuten“, schreibt er weiter, und ergänzt: „Die Dünnhäutigkeit der Muslime von heute und die Beharrung auf den religiösen Symbolen sind deshalb ein Ausdruck der Schwäche (…) und führen weite Teile des islamischen Welt in eine zunehmende Isolation und verstärken das Gefühl der Erniedrigung.“  

An dem Buch besticht die Analyse eines Insiders. Die persönlichen Schlussfolgerungen muss man jedoch nicht teilen, so auch nicht seine Aussage, wonach die Religion der Tod für jeden Glauben sei. Religion ist von ihrem Selbstverständnis her Heilmittel Gottes für die leidende Menschheit. Und natürlich haben Kleriker in der Vergangenheit die organisierte Religion für schändliche Zwecke missbraucht. Deshalb aber jegliche Organisation abzulehnen, bedeutet doch, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

Auch ein „Islam light“, wie er von Abdel-Samad ins Gespräch gebracht wurde, bei dem  Abstriche vom Offenbarungstext gemacht werden sollen, dürfte nicht möglich sein. Denn es geht ja - nicht nur im Islam - um die Frage: Handelt es sich um offenbartes Gotteswort oder sind Bibel und Koran nur um bloßes Menschenwerk.  Dieses von ihm verlangte Zurechtstutzen ist aber gar nicht nötig, weil es durchaus islamische Richtungen gibt, die keine Probleme mit der Anpassung ihrer religiösen Werte an die Gegenwart haben. Als Beispiel hierfür sei die  in Britisch Indien entstandene und in Pakistan bis heute schwer verfolgte Gemeinschaft der Ahmadiyya-Muslime genannt. Sir Muhammad Zafrullah Khan, Ahmadiyya-Mitglied und früherer Präsident des Internationalen Gerichtshofs zu Den Haag, hatte bereits 1967 in seinem Werk „Islam und Menschenrechte“ im Koran die Vorwegnahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gesehen.  Auch die im Iran bis heute stark verfolgte Bahá’í-Religion, die den Islam als ihren Vorgänger ansieht, vertritt im Wesentlichen diese Sichtweise. Ihr Stifter, Bahá’u’lláh, ging aber noch einen Schritt weiter, indem er betonte, dass es ewige und zeitbedingte Bestimmungen in den Heiligen Schriften von Juden, Christen und Muslimen gebe, die im Zuge der Weiterentwicklung der Menschheit nicht mehr gültig und durch neue, von Gott für das gegenwärtige Zeitalter bestimmte Ge- und Verbote ersetzt worden seien.

Hamed Abdel-Samad ist daher nur bedingt zuzustimmen. Seine Prognose vom Untergang der islamischen Welt dürfte aber Wirklichkeit werden, wenn es den Muslimen nicht gelingt, die erstarrte Orthodoxie zu entmachten. Die Katholische Kirche gewann auch erst wieder an Anziehungskraft und Glaubwürdigkeit, als sie ihre weltlichen Reichtümer verloren hatte.

Dass man seinen Ausführungen immer folgt, erwartet der Autor nicht. Er will Denkanstöße geben. An seinem Buch kommt man aber nicht vorbei, will man die Situation in den islamisch geprägten Ländern verstehen lernen. Wie stichhaltig seine Analysen sind, zeigen die jüngsten Entwicklungen in der arabischen Welt, insbesondere in Tunesien und Ägypten.

 

>>> FAZIT: Dem um Verständnis bemühten Zeitgenossen ist dieses Buch daher wärmstens zu empfehlen.

 
Thomas Müller
 
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Autorenphoto: © Raimond Spekking / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0 & GFDL