RUSSLAND: Verzweifelter Hilferuf aus einem Gefängnis
Quelle: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), https://www.igfm.de/verzweifelter-hilferuf-aus-einem-russischen-gefaengnis/
Valery Perov, geboren am 12. August 1984, wurde am 24. Oktober 2024 wegen angeblicher „Zusammenarbeit auf vertraulicher Basis mit einer ausländischen Organisation zur Unterstützung von Aktivitäten, die wissentlich gegen die Sicherheit der Russischen Föderation gerichtet sind“ und „Öffentlicher Aufrufe zu terroristischen Aktivitäten, Terrorismuspropaganda über das Internet“ (Art. 275.1 und 205.2 Strafgesetzbuch der Russischen Föderation) zu elf Jahren Haft, einer Geldstrafe von 500.000 Rubel (umgerechnet rund 5.200 Euro) und einem weiteren Jahr mit Freiheitsbeschränkung verurteilt.
Tatsächlich hatte er sich in Kommentaren per Kurzmitteilungsdienst Telegram kritisch zum militärischen Überfall auf die Ukraine geäußert.
Im Juli 2026 schrieb eine nahe Angehörige von Perov der IGFM: „Valery erhält keine angemessene medizinische Versorgung. Er klagt ständig über Schmerzen im Arm und nun auch im Bein (bei ihm wurde Arthritis diagnostiziert), aber die Ärzte im Gefängnis sagen ihm, alles sei in Ordnung und verschreiben ihm lediglich Schmerzmittel. Es gibt keine normale Ernährung, die Nahrung ist vitaminarm, es gibt keine Möglichkeit, sich zu bewegen oder frische Luft zu atmen. Und er wird psychisch misshandelt: Zum Beispiel wird er oft als Terrorist und Verräter beschimpft, und man hat ihm die Teilnahme an der Beerdigung seiner Mutter verweigert.“
Sie bestätigte, dass sie von der IGFM durch eine Vermittlerin Geld bekommen hat, mit dem sich Valery Perov im Lebensmittelladen des Gefängnisses etwas kaufen konnte und schickte als Beleg die Einkaufsquittungen. Zusätzlich erhielt sie Geld, damit Maria Perova, Ehefrau von Valery, mit dem Bus von Nischni Nowgorod zur Strafkolonie im Dorf Prosek reisen kann, um ihren Mann besuchen zu können. Valery Perov ist der IGFM dankbar für diese Unterstützung und das anhaltende Interesse an seiner Situation.
Über seine Situation in der Haftanstalt von Nischni Nowgorod berichtet er im Juli 2026
„Ich schreibe diesen Brief nicht, um darin um Mitleid zu bitten. Ich schreibe, weil das Schweigen in diesen Wänden unerträglich wird, es drückt stärker auf die Brust als alle physischen Fesseln. Die Situation ändert sich hier nie: die gleichen grauen Wände. Die Zeit blieb stehen oder wurde zu einem endlosen Anfang und Ende. Ich bin völlig von der Welt abgeschnitten. Ich existiere in einem Vakuum, in dem Nachrichten ein unerlaubter Luxus sind. Meine Briefe nach Hause erreichen die Empfänger oft nicht, und die, die zu mir kommen, sind die einzigen Fäden, die mich mit einem früheren Leben verbinden. … Hier gibt es keine Medizin. Jede Krankheit wird zu einem Test des Willens, weil man nirgendwo auf Hilfe warten kann. Es gibt hier kein normales Essen – dieses einfache menschliche Essen, das zumindest etwas Trost bringen kann. … Es gibt nichts Persönliches an diesem Ort. Kein Privatleben, kein Recht auf bloße menschliche Wärme. Und wir beschränken uns auch auf Begegnungen mit Angehörigen. Ich bitte Gott, mir die Kraft zu geben, diese Prüfung zu bestehen.“
>>> Bitte helfen Sie mit, Valery Perov zu unterstützen, indem Sie das nachfolgende Schreiben kurzfristig an die genannten Stellen schicken.
Sie können ihn und auch andere russische Gefangene durch Ihre Spende unterstützen:
- Zahlungsempfänger: Internationale Gesellschaft für Menschenrechte e.V.
- IBAN: DE93 3702 0500 0001 4036 00
- Verwendungszweck: Politische Gefangene Russland (44)
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Gutsan Aleksander Vladimirovich
Prosecutor General’s Office
ul. B.Dmitrovka, 15a
125993 Moscow GSP-3
RUSSLAND
E- Mail: transgprf@genproc.gov.ru
Dear Prosecutor General,
I would like to draw your attention to the case of the prisoner Valery Perov.
Valery Perov, born on 12 August 1984, was sentenced on 24 October 2024 to eleven years’ imprisonment, a fine of 500,000 roubles (approximately EUR 5,200), and an additional year of restricted liberty for allegedly “cooperating on a confidential basis with a foreign organisation in support of activities knowingly directed against the security of the Russian Federation” and for “public calls for terrorist activities and the promotion of terrorism via the Internet” (Articles 275.1 and 205.2 of the Criminal Code of the Russian Federation).
In fact, in comments posted via the Telegram instant messaging service, he had expressed criticism of the “special military operation” conducted by Russian forces in Ukraine.
He therefore neither used violence nor advocated the use of violence, but merely exercised his human right to freedom of expression.
I therefore respectfully urge you to do everything within your power to secure the release of Valery Perov.
Yours respectfully,
COPIES:
>>> Botschaft der Russischen Föderation, Unter den Linden 63-65, D-10117 Berlin, E-Mail: info@russische-botschaft.de
>>> Auswärtiges Amt, Werderscher Markt 1, D-10117 Berlin, E-Mail: buergerservice@diplo.de
>>> Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe, Dr. Lars Castellucci, E-Mail: menschenrechtsbeauftragter@diplo.de
>>> Deutscher Bundestag, Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Platz der Republik 1, D-11011 Berlin, E-Mail: menschenrechtsausschuss@bundestag.de
TRANSLATION / ÜBERSETZUNG
Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,
ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf den Fall des Häftlings Valery Perov lenken.
Valery Perov, geboren am 12. August 1984, wurde am 24. Oktober 2024 wegen angeblicher „Zusammenarbeit auf vertraulicher Basis mit einer ausländischen Organisation zur Unterstützung von Aktivitäten, die wissentlich gegen die Sicherheit der Russischen Föderation gerichtet sind“ und „Öffentlicher Aufrufe zu terroristischen Aktivitäten, Terrorismuspropaganda über das Internet“ (Art. 275.1 und 205.2 Strafgesetzbuch der Russischen Föderation) zu elf Jahren Haft, einer Geldstrafe von 500.000 Rubel (umgerechnet rund 5.200 Euro) und einem weiteren Jahr mit Freiheitsbeschränkung verurteilt.
Tatsächlich hatte er sich in Kommentaren per Kurzmitteilungsdienst Telegram kritisch zum „Spezialeinsatz“ der russischen Kräfte in der Ukraine geäußert.
Er hat also weder Gewalt angewandt noch Gewaltanwendung befürwortet, sondern lediglich von seinem Menschenrecht auf Meinungsfreiheit Gebrauch gemacht.
Ich bitte Sie daher, alles in Ihrer Macht Stehende zu tun, um die Freilassung von Valery Perov zu erreichen.
Hochachtungsvoll


